Homeless in Holland (Maurizio is back)

 

Ort:

leerstehendes Schulgebäude der Technischen Fachhochschule MTS Hengelo in Hengelo, Niederlande

Zeit:

Juni – Juli 2011

 

 

Installation für die Ausstellung NEW HOME, Veranstalter MIKC Productions

 

In einem kleinen, leeren Raum in der ehemaligen Technikschule Hofstede MTS Hengelo scheint sich ein Obdachloser eingenistet zu haben. Er liegt auf einer Schaumstoffmatte in der Ecke und schläft. Deutlich hört man ihn atmen und schnarchen. Neben ihm liegen seine spärlichen Besitztümer in Plastiktüten. Eine alte Tasse, Tabak, Zigarettenpapier und sein italienischer Ausweis komplettieren seine Habe. Er hat sich offensichtlich vor den Widrigkeiten der Welt eine Zuflucht gesucht. In seiner versteckten und in der Ausstellung New Home doch exponierten Situation ist der vermeintliche Obdachlose ein irritierendes Moment für die Besucher des Projektes. Traut sich der Besucher, diesen kleinen, fast privaten Raum zu betreten und sozusagen die Intimsphäre zu stören, kann er entdecken, worum es sich in Wirklichkeit handelt: um eine inszenierte Situation, eine künstliche Installation mit beklemmender Wirkung.

 

Die Arbeit Homeless in Holland (Maurizio is back) ist eine Reaktion auf die aktuellen politischen Ereignisse in Holland, wo rechtskonservative Politik Erfolge feiert. Bestimmte Bevölkerungsgruppen drohen ausgegrenzt zu werden. Der Titel der Arbeit, Maurizio, verweist auf die mögliche Herkunft des Obdachlosen, vermeintlich einem Ausländer. Er könnte einerseits das Alter Ego des Künstlers Pfelder sein, andererseits bezieht sich die Installation aber auch auf den aktuellen Kunstbetrieb, und zwar auf den italienischen Künstler Maurizio Cattelan. Jener hat seinerseits täuschend echt nachgestellte Clochards bei Ausstellungen z.B. in Turin inszeniert. Eine wichtige Strategie im Werk des italienischen Künstlers Cattelan wird aufgegriffen, nämlich jene des geistigen und physischen „Diebstahls“. So entwendete Cattelan z.B. einmal die gesamte Ausstellung eines Kollegen, um das Ganze in seiner eigenen Galerie zu präsentieren. Dieses Spiel wird aufgenommen und in die Hengeloer Präsentation von Pfelder eingefügt. Hierbei ergeben sich bei näherer Betrachtung mehrere Bedeutungsebenen, die miteinander verwoben sind, z.B. die aktuell politische und soziale mit konkretem Bezug zu Holland und die kunstdiskursive des Spiels mit der Kunst.